Blick zurück – Die Opernbühne Württembergisches Allgäu e.V.

(Text von Lenard Ellwanger)

Seit mittlerweile über 30 Jahren gibt es im Württembergischen Allgäu die Tradition, große Oper auf den Bühnen der Allgäu-Städte Wangen, Leutkirch und Isny einem großen Publikum zu präsentieren. Eine Erfolgsgeschichte, die 1984 begann, als sich erstmals der Vorhang zu Wolfgang Amadeus Mozarts „Bastien und Bastienne“ hob.  Zunächst alle drei und später alle zwei Jahre wurde eine neue Opernproduktion auf die Bühnen gebracht. Bis 2001 wirkte die Opernbühne als Teil und unter dem Dach der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu (JMS). Mit der Produktion „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach im Jahr 2005 konstituierte sich die Opernbühne als Verein außerhalb der JMS. Initiator, Kopf und musikalischer Leiter war von Anbeginn Adolf Wetzel, zunächst als JMS-Schulleiter und bis 2017 als Vorsitzender des Vereins „Opernbühne Württembergisches Allgäu“. Unter seiner Ägide wurden Mozarts große Klassiker wie „Die Entführung aus dem Serail“ (1989), „Figaros Hochzeit“ (1991) und „Die Zauberflöte“ (2010) realisiert. Anfänglich gastierte die Opernbühne auch in der Sonderschule Kisslegg, deren gegliedertes Foyer ein interessantes Bühnenbild ermöglichte. Unter Wetzels Stab kamen berühmte Operetten und komische Opern wie Albert Lortzings „Wildschütz“ (1994), Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ (1997), Strauss‘ „Zigeunerbaron“ (2000, Openair auf dem Marktplatz) und Gaetano Donizettis „Liebestrank“ (2008) hinzu. Mozarts „Zauberflöte“ in 2010 bildete als großes Openair-Spektakel den Abschluss der musikalischen Leitung von Adolf Wetzel, in der Maren Christina Roederer eine grandiose „Königin der Nacht“ und Christian Feichtmair einen kongenialen „Papageno“ gaben. Mit ihnen glänzte Heike Heilmann als „Pamina“. Die Sopranistin ist quasi ein Eigengewächs der Opernbühne, war sie doch fast immer dabei wie zuletzt als „Ännchen“ im „Freischütz“ und als betörende „Micaёla“ in „Carmen“. Neben diesen dreien konnten bis heute viele andere große und hoffnungsvolle Nachwuchsstimmen erste Podiumserfahrungen in den Produktionen der Opernbühne erfahren. Nicht nur regelmäßig ausverkaufte Vorstellungen im Allgäu, sondern auch umjubelte Aufführungen in Marienbad (Tschechien) und Waldenburg (Polen) zeugen von der musikalischen und künstlerischen Qualität und Begeisterungsfähigkeit, die die Arbeit der Opernbühne kennzeichnet.

2012 übernahm Friedrich Wilhelm Möller die musikalische Leitung des Ensembles. Adolf Wetzel zog sich hinter die Kulissen zurück, um als Organisator und „Intendant“ die Fäden in der Hand zu halten. Auch der langjährige Regisseur Theo G. Kobler (u.a. Theater am Gärtnerplatz München) verabschiedete sich von seinem begeisterten Publikum, der stets mit äußerst bescheidenen Mitteln kreative und ansprechende Inszenierungen und Bühnenbilder schuf. In den folgenden Produktionen gab es für wechselnde junge aufstrebende Bühnenprofis Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und ihre Kreativität auszuleben. Mit Marco Misgaiski vom Staatstheater Mannheim und Bühnenbildnerin Martina Klander hat die Opernbühne nun ein kreatives Gespann gefunden, das die bescheidenen Mittel des Vereins nicht als Manko, sondern als Herausforderung ansieht und so äußerst kreativ zum riesigen Erfolg von „Carmen“ beitrug.

Maßgeblich beteiligt an dem Erfolg der Opernbühne ist von Anbeginn die Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu (JMS), mit der durch den damaligen stellvertretenden Vorsitzende Lenard Ellwanger und dem Orchester-Koordinator Ferdinand Fremerey ständiger Kontakt gehalten wurde. Ohne die JMS, den dort als Lehrkräfte arbeitenden professionellen Musikern, die im Verbund mit ihren ausgesuchten Schülern und versierten Laien das Orchester bilden, wäre eine Opernproduktion unmöglich. Junge Sängerinnen und Sänger aus den Gesangsklassen und Chören der JMS insbesondere von Christian Feichtmair sind dem Opernchor stets herzlich willkommen und werden behutsam an das große Musiktheater herangeführt.

Die Produktion eines großen Musiktheater-Spektakels kostet trotz sparsamster Kalkulation viel Geld, das von vielen Schultern aufgebracht werden muss. Die Opernbühne ist dankbar, auf über 150 aktive und fördernde Mitglieder zählen zu können. Darüber hinaus freut sie sich sehr, dass sie insbesondere in Betracht ihrer theaterpädagogischen und gleichzeitig künstlerisch anspruchsvollen Aufgabe dazu von den Städten der Region, dem Landkreis Ravensburg und dem Land Baden-Württemberg unterstützt wurde.

Produktionen von 2005 bis 2017