Franz Lehár - Die lustige Witwe Operette in drei Akten Nach einem Libretto von Victor Léon und Leo Stein nach dem Lustspiel L’attaché d’ambassade (1861) von Henri Meilhac Uraufführung am 28. Dezember 1905 im Theater an der Wien, Wien Ort der Handlung: Paris Baron Mirko Zeta, Botschafter Pontevedros Valencienne, seine französische Ehefrau Graf Danilo Danilowitsch, Pontevedrinischer Kulturattaché Hanna Glawari Njegus, Zetas Sekretär Camille de Rossillon Mitglieder der Pontevedrinischen Botschaft Grisetten aus dem Club Maxim |
Erläuterung Die lustige Witwe ist die Spiegelung des Sittenbildes einer Epoche um 1900, die in einem starken Spannungsfeld zwischen individuellem Verlangen und öffentlichem Anspruch stand. Entstanden und überhaupt erst möglich geworden aus der Realexistenz bürgerlicher Doppelmoral und hierarchischem Denken, konnte der aus Ungarn stammende Franz Lehár mit dieser seiner berühmtesten Operette in Wien einen essentiellen Beitrag zur beginnenden bürgerlichen Unterhaltungsindustrie schaffen. Woher kommt die ungebrochene Faszination für eine Operette heute? Die demimonde der Grisetten von Paris als Topos für erotische Freiheiten, Koketterien und Andeutungen von Zügellosigkeit, das Eine sagen und das Andere meinen, kritisch und zugleich mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus heiter sein – all diese Dinge machen „Die lustige Witwe“ zu einem tête-à-tête im chambre séparée. Da wird Verstecken gespielt, mit Millionen gepokert und ein wegen seiner quasi-absolutistischen Zustände als rückständig betrachtetes ganzes Land (Pontevedro = Montenegro?) verballhornt. | ||||
Kurzübersicht Ausgangssituation der Handlung ist ein Millionenloch, das in den Staatskassen des Pontevedrinischen Kleinstaats klafft, und das Baron Mirko Zeta, sein Botschafter in Paris, dem Ort der Handlung, bemüht ist, zu stopfen. Hierzu ersinnt er einen Plan: Die millionenreiche, noch junge Witwe Hanna Glawari, ebenfalls Pontevedrinerin, soll mit dem Pontevedrinischen Kulturattaché, dem Grafen Danilo, wiederverheiratet werden, damit die Erbschaft im Lande verbleibt. Da Danilo sich diesem Heiratsplan aus moralischen Gründen widersetzt, obwohl er einst Hanna geliebt hat und auch erneut wieder etwas für sie empfindet, entspinnt sich auf mehreren Handlungsebenen und Nebenschauplätzen eine Komödie des Verschweigens, der Verwirrungen, der Eifersüchte und der Versprechungen mit einem wie auch immer glücklichen Ausgang. | |||||